1e-Pläne - Wahl der Anlagestrategie durch Versicherte

Auf einen Blick

  • Durch 1e-Pläne kann die Anlagestrategie im Lohnbereich über der anderthalbfachen BVG-Lohnobergrenze durch den Versicherten beeinflusst werden.
  • Wegfall von Mindestgarantien aus Art. 15 FZG und Art. 17 FZG: Das Parlament hat am 18. Dezember 2015 den vorgeschlagenen Änderungen durch den Bundesrat zugestimmt. Durch die anstehende Gesetzesänderung kann von einer Verbreitung der 1e-Pläne ausgegangen werden.
  • Angebotene Dienstleistungen PPCmetrics: Analyse Auswirkungen 1e-Plan, Grobdesign Plan festlegen, „Make or Buy“-Analyse, Umsetzung, laufender Betrieb – Überwachung und Controlling

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Was sind 1e-Pläne?

Seit dem 1. Januar 2006 können Vorsorgeeinrichtungen ihren Versicherten die Wahl aus einer Anzahl von unterschiedlichen Anlagestrategien anbieten. Diese Möglichkeit besteht nur für den überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und somit nur für Salärbestandteile von aktuell über CHF 126 900. In der Praxis haben sich für solche Anlagen die Begriffe „1e-Pläne“ oder „1e-Vorsorgepläne“ durchgesetzt, die auf die entsprechende Verordnungsbestimmung Art. 1e BVV 2 verweisen. 1e-Pläne müssen in einer separaten Vorsorgeeinrichtung versichert werden, die ausschliesslich Salärbestandteile von aktuell über CHF 126 900 abdeckt.

 

Gründe für die Einführung von 1e-Plänen

Es werden in der Regel verschiedene Gründe für die Einführung von 1e-Plänen genannt:

  • Aus Sicht der Versicherten bieten solche Pläne die Möglichkeit, die eigenen Vorsorgegelder entsprechend den individuellen Bedürfnissen und Risikopräferenzen anzulegen. Dies bedeutet einerseits eine grössere Flexibilität und Freiheit, andererseits aber auch mehr Eigenverantwortung, denn allfällige Anlageverluste müssen individuell getragen werden. Dennoch dürften die 1e-Pläne den Wünschen verschiedener Mitarbeitenden entsprechen, bei der Vorsorgeplanung in der 2. Säule die Anlagestrategie aktiv beeinflussen zu können. Viele aktive Versicherte möchten zudem verhindern, dass durch eine zu tiefe Verzinsung ihres Alterskapitals eine Quersubventionierung der Rentenbezüger erfolgt.
  • Für den Arbeitgeber spielen vor allem Risikoüberlegungen eine Rolle. Im Rahmen von „1e-Plänen“ tragen die Versicherten üblicherweise das Anlagerisiko. Grundsätzlich resultiert daraus eine Reduktion der Pensionskassenverpflichtungen und -risiken für die Unternehmen. Insbesondere für Firmen, die nach IAS/IFRS oder US GAAP bilanzieren, erscheint eine solche Reduktion auf den ersten Blick attraktiv.

Verbreitung & aktuelle Entwicklungen

Obwohl es die Möglichkeit für 1e-Pläne nun bereits seit rund 10 Jahren gibt, wurden 1e-Pläne noch nicht auf breiter Ebene in der Praxis eingeführt. Neben dem eher beschränkten Personenkreis, der für solche Pläne in Frage kommt, dürfte ein wesentlicher Grund hierfür das Freizügigkeitsgesetz (FZG) sein. Dieses gilt auch für 1e-Pläne. Die damit verbundenen gesetzlichen Mindestgarantien führen dazu, dass Verluste, die durch die von den Versicherten gewählten Anlagestrategien entstanden sind, beim Austritt der Versicherten durch die Pensionskasse übernommen werden müssen. Hingegen dürfen die Versicherten die durch die Anlagestrategie erzielten Gewinne mitnehmen.

Da durch dieses Ungleichgewicht eine unbefriedigende Situation entstand, hat der Bundesrat im Februar 2015 eine Botschaft an das Parlament überwiesen, die den Wegfall der Mindestgarantien vorsieht („Motion Stahl“). Diese sieht vor, dass das Kollektiv die Garantien nach Art. 15 und 17 FZG nicht mehr übernimmt und Versicherte beim Austritt den effektiven Wert ihres Vorsorgeguthabens erhalten. Somit würde der Versicherte bei einem Austritt auch die Verluste selbst tragen.

Das Parlament hat am 18. Dezember 2015 den vorgeschlagenen Änderungen zugestimmt. Die Gesetzesänderung wird voraussichtlich im Jahr 2016 in Kraft gesetzt. Dementsprechend kann von einer zunehmenden Verbreitung von 1e-Plänen im Vorsorgemarkt Schweiz ausgegangen werden.

Angebotene Dienstleistungen PPCmetrics

 Im Themenfeld 1e-Pläne bietet die PPCmetrics AG die nachfolgenden Dienstleistungen an:

  • Analyse Auswirkungen 1e-Plan und Entscheidungsvorbereitung: PPCmetrics unterstützt Arbeitgeber und Vorsorgeeinrichtungen bei der Analyse der Auswirkungen einer Einführung von 1e-Plänen. In diesem Zusammenhang werden insbesondere die Folgen für die verschiedenen Anspruchsgruppen untersucht. Im Fokus stehen unter anderem die ökonomischen Auswirkungen auf Arbeitgeber, Versicherte und Vorsorgeeinrichtung. Ziel dieser Analyse ist es, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für oder gegen die Einführung von 1e-Plänen zu schaffen, die die individuellen Gegebenheiten angemessen berücksichtigt.
  • Grobdesign Plan festlegen: Wird entschieden 1e-Pläne einzuführen, so muss das Grobdesign festgelegt werden. Dabei gilt zu beachten, dass die Einführung von 1e-Plänen sowohl die Struktur und Organisation nicht nur der neuen 1e-Vorsorgeeinrichtung, sondern auch der bisher bestehenden Pensionskasse beeinflusst. Insbesondere verändern sich Anlagechancen und -risiken, die analysiert, simuliert und verstanden werden müssen. Zentral in dieser Phase ist das Asset Liability Management sowie die Formulierung und Überarbeitung einer Anlagestrategie sowohl für eine neue 1e-Vorsorgeeinrichtung als auch für die bestehende Pensionskasse.
  • „Make or Buy“-Analyse: In dieser Phase muss abgeklärt werden, ob die angestrebte Lösung auf dem Markt eingekauft oder selbst erbracht werden soll. Für die Marktanalyse setzen wir ein systematisches Marktscreening ein, um eine Long- und Shortlist mit Anbietern entsprechend der Bedürfnisse des Kunden zu generieren. Eine erfolgreiche Auswahl verlangt dabei ein professionelles und systematisches Verfahren und eine vertiefte Kenntnis der ökonomischen, operationellen sowie rechtlichen Kriterien und Risiken. Gleichzeitig unterstützen wir Kunden bei rechtlichen Fragestellungen wie bspw. den Verhandlungen eines Anschlussvertrages.
  • Umsetzung: Sowohl bei einer externen als auch eigenen Lösung unterstützen wir Vorsorgeeinrichtungen bei sämtlichen Implementationsfragen betreffend Anlagen und Leistungen. Dazu gehören die Ausarbeitung oder Beurteilung von Planvarianten und Anlagestrategien, die Formulierung des gesamten Regelwerks oder Umsetzungsfragen wie bspw. der Auswahl von Vermögensverwaltern oder von Rückversicherungen.
  • Laufender Betrieb – Überwachung und Controlling: In der Phase des laufenden Betriebes bieten wir 1e-Vorsorgeeinrichtungen die notwendigen Führungsinstrumente in Form unseres Investment Controllings. Dieses erlaubt auf den drei Ebenen Anlagestrategie, Anlagetaktik und Anlagemandate eine systematische Überwachung und stellt dem obersten Organ sämtliche führungsrelevanten Kennzahlen zur Verfügung. Unter anderem nehmen wir eine Analyse von Rendite und Risiko vor, überwachen die Einhaltung der Anlagerichtlinien, beurteilen die Vermögensverwalter und führen Peer Group- und Gebührenvergleiche durch.

 


Medienberichte

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Artikel in der NZZ, April 2016

Bei 1e-Vorsorgeplänen dürfen Versicherte die Anlagestrategie für Pensionskassenguthaben selber wählen. Solche Pläne könnten nun populärer werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sie die bestehende Pensionskasse belasten können.

 


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