Vergleich Altersvorsorge China und Schweiz

Auf einen Blick

  • Durchführung einer Analyse zum Vergleich Altersvorsorge China-Schweiz
  • Anlass: Visite einer Delegation von 25 hochrangigen Beamten der chinesischen Provinz Guangdong bei PPCmetrics

 

Altersvorsorge in China und in der Schweiz - Ein Vergleich

Bevölkerungsstruktur in China

Die Bevölkerungsstruktur in China entwickelt sich rasant. Während immer mehr junge Menschen in den Städten am Arbeitsmarkt teilnehmen und davon wirtschaftlich profitieren, steigt die prognostizierte Anzahl der nicht mehr berufstätigen älteren Chinesen in Zukunft deutlich an (vgl. Abbildung unten). Die Folge davon ist eine starke Generationen-Einkommensungleichheit.

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Quelle: Jackson, Nakashima & Howe (2008)

Ländliche und städtische Vorsorgesysteme

China verfügt über ein ländliches und ein städtisches Altersvorsorgesystem. Knapp 50% der chinesischen Bevölkerung wohnt noch immer auf dem Land. Während in den Städten die heutige Altersvorsorge bereits auf die Jahre 1986 und 1997 zurückgeht, befindet sich die ländliche Altersvorsorge erst seit 2009 im Aufbau und ähnelt einem sozialhilfeähnlichen Projekt.

Vor 2009 wurde die Altersvorsorge der Rentner primär durch deren Familien übernommen. Das heutige ländliche Pensionskassensystem basiert auf zwei Säulen: einer Grundvorsorge und einem individuellen Konto. Die Grundvorsorge wird hauptsächlich durch das Finanzministerium finanziert und soll die Grundbedürfnisse der pensionierten ländlichen Bevölkerung decken. Das individuelle Konto gilt als Zusatzsparen, welches die Grundbedürfnisse übersteigenden Bedürfnisse decken soll.

Die städtische Altersvorsorge in China hat sich ebenfalls erst in jüngerer Zeit entwickelt. Das Pensionsalter liegt, verglichen mit der Schweiz, wesentlich tiefer (Frauen: 55 Jahre, Männer: 60 Jahre). Heute beruht das System auf den Reformen der Jahre 1986, 1997 und 2005. Vor 1986 erhielten Rentner ihre Altersvorsorge durch die Unternehmen, in denen sie angestellt waren. Dies galt jedoch nur für Firmen in staatlichem Besitz (SOE). Für Arbeiter, welche bei privaten Firmen angestellt waren, existierte diese Art der Altersvorsorge nicht.

Charakterisierung anhand von drei Säulen

Das heutige System lässt sich in seiner Grundintention, ähnlich wie das der Schweiz, anhand von drei Säulen beschreiben: die Grundvorsorge, die berufliche Vorsorge sowie das freiwillige steuerbegünstigte Zusatzsparen. Das private Zusatzsparen wird von der chinesischen Bevölkerung allerdings kaum wahrgenommen.

Die 1. Säule ist verpflichtend und stellt das wichtigste Element der chinesischen Altersvorsorge dar (vgl. Abbildung unten). Die 1. Säule besteht aus zwei Teilen: dem Basiskonto und dem individuellen Konto. Beim Basiskonto (Säule 1a) handelt es sich um ein umlagefinanziertes Rentensystem. Dabei werden die gegenwärtig ausbezahlten Renten durch die Beiträge der aktuellen Arbeitgeber finanziert. Somit erfolgt eine generationenübergreifende Mitteltransformation. Für eine Rente berechtigt ist, wer mindestens 15 Jahre lang Beiträge einbezahlt hat. Betrachtet man die demographischen Prognosen für China, zeichnet sich ab, dass dieses System aufgrund der schnellen Alterung der Bevölkerung in den kommenden Jahren vor grossen Herausforderungen stehen wird. Die Säule 1b (individuelles Konto) wird als kapitalgedecktes System geführt; lediglich der Arbeitnehmer bezahlt Geld ein, welches am Kapitalmarkt investiert wird .

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Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Zhu und Liu (2008), Heuer (2004) und Ackeret (2012)

Das freiwillige Sparen des Arbeitgebers (Säule 2) und des Arbeitnehmers (Säule 3) soll durch Steuerersparnisse angeregt werden. Es ist primär als zusätzliches Alterseinkommen für besser Verdienende ausgelegt. Beide Säulen werden als kapitalgedeckte Systeme geführt.

In vielerlei Hinsicht gibt es Parallelen zwischen dem chinesischen und dem Schweizer Pensionssystem. Es zeigt sich aber auch klar, dass beide Länder an unterschiedlichen Punkten in der Entwicklung ihrer Altersvorsorge stehen.

Quellen:

  • Ackeret, M. (2012) “Wer soll das bezahlen?“, Neue Zürcher Zeitung.
  • Heuer, C. (2004), “Das Altersrentensystem in der Volksrepublik China“, von der Webseite: www.chinapolitik.de.
  • Jackson, R., Nakashima, K., und Howe, N. (2008), “China’s long march to retirement reform”, Center for Strategic & International Studies.
  • Song, Z, Storesletten, K., Wang, Y., und Zilibotti, F. (2014), “Sharing High Growth Across Generations: Pensions and Demographic Transition in China”, Forthcoming in the American Economic Journals: Macroeconomics.
  • Zhu, Y., und Liu, L. (2008), “Pension Trends”, BBVA Economic Research Department.
  • Zilibotti, F. (2014), “Wieso kapitalgedeckte Rentensysteme nicht immer die besten sind“, Neue Zürcher Zeitung.